Umgang mit Blasenstörungen

Blasenprobleme bei MS

Kontrolliertes Wasserlassen setzt voraus, dass die Nervenbahnen im Rückenmark, die das Gehirn und das Entleerungsreflex-Zentrum verbinden, unversehrt sind. Das Entleerungssignal des Gehirns sorgt dafür, dass der Schliessmuskel erschlafft. Der Befehl „Warten“ wiederum, dass der Schliessmuskel geschlossen bleibt. Bei MS-Betroffenen können die Nervenbahnen zwischen dem Reflexzentrum und dem Gehirn gestört oder unterbrochen sein. Die Folge davon sind verschiedene Probleme und Symptome.

Die häufigsten Blasenprobleme bei MS sind:

  • Häufigeres Wasserlassen: Entleerung der Blase alle 15 bis 20 Minuten, meist nur geringe Mengen Harn.
  • Harndrang: Gefühl, die Blase sofort leeren zu müssen, verbunden mit der Unfähigkeit, den Harn zu halten. Betroffene mit diesem Problem haben wenig Zeit, um zur Toilette zu kommen.
  • Harnträufeln: Ungewolltes Entleeren kleiner Harnmengen, als Folge eines Harndranges und der Unfähigkeit, den Harn zu halten. Manche Betroffene bemerken das erst im Nachhinein.
  • Inkontinenz: Unfähigkeit, Urin in der Blase zu behalten. Es kann sein, dass der Betroffene die Toilette nicht rechtzeitig erreichen kann oder dass er keinerlei Harndrang spürt, weil die Nervenbahnen zwischen dem Entleerungsreflex-Zentrum und dem Gehirn blockiert sind. Obwohl die Blase sich ausdehnt, wenn sie sich füllt, kann sie nur eine bestimmte Menge Urin speichern und leert sich spontan, sobald diese Grenze überschritten ist.

In leichten Fällen reicht es manchmal auch, die Trinkgewohnheiten anzupassen: Alkoholische und koffeinhaltige Getränke sollten gemieden werden, da sie zu vermehrter Harnausscheidung führen und so den Harndrang noch verstärken können. Blasen- und Beckenbodentraining können für die Kontrolle der Blasenfunktion ebenfalls hilfreich sein.

Um die beste Therapie bestimmen zu können, muss man zunächst wissen, ob man es mit einer spastischen (fehlendes Speichern), schlaffen (fehlende Entleerung) Blase oder einer Konfliktblase zu tun hat. Das lässt sich leicht herausfinden, wenn man über die Häufigkeit des Wasserlassens und die dabei entleerte Harnmenge innerhalb von 48 Stunden genau Buch führt und anschliessend misst, wie viel Restharn die Blase enthält. Um den Restharn zu messen, wird ein Katheter in die Blase eingeführt oder man führt nach der Entleerung eine Ultraschalluntersuchung durch. Eine Restmenge unter 150 cm3 deutet entweder auf eine normale oder auf eine kleine spastische Blase hin, während eine grössere Menge auf eine schlaffe Blase schliessen lässt.