Umgang mit Darmstörungen

Viele MS-Betroffene leiden irgendwann im Laufe ihrer Krankheit an Darmstörungen. Das häufigste Darmproblem bei MS ist Verstopfung. Es können aber auch Durchfall und Inkontinenz vorkommen. Diese lassen sich oft mit Medikamenten und anderen Massnahmen wirksam behandeln.

Verstopfung

Von Verstopfung sprechen wir, wenn der Stuhl zu selten ausgeschieden wird oder die Ausscheidung schwierig ist. Bei MS-Betroffenen ist kann die Verstopfung eine mittelbare oder unmittelbare Folge der Krankheit sein:

  • Der Myelinverlust des Gehirns und/oder des Rückenmarks stört die Nervenimpulse, die für einen normalen Stuhlgang notwendig sind. Wenn sich der Stuhl zu langsam durch den Darm bewegt, wird ihm zu viel Wasser entzogen, so dass er hart wird und den Darm verstopft.
  • Manche MS-Betroffene trinken zu wenig, weil sie Blasenprobleme haben. In diesem Fall entzieht der Körper dem Stuhl mehr Wasser, weil es an anderer Stelle benötigt wird, und der harte, kompakte Stuhl lässt sich schwer ausscheiden.
  • Schwäche, Spastik oder Müdigkeit schränken die körperliche Aktivität ein. Dadurch wird auch der Darm inaktiv und der Stuhl bewegt sich langsamer vorwärts. In diesem Fall wird ebenfalls zu viel Wasser aus dem Stuhl aufgenommen und der Stuhl wird hart.

Richtige Ernährung

Gute Essgewohnheiten sind für die Darmgesundheit wichtig. Dazu gehören regelmässige, ausgewogene Mahlzeiten in entspannter Atmosphäre. Eine ausreichende Flüssigkeitsmenge und Ballaststoffe können eine Verstopfung in den meisten Fällen lindern. Ballaststoffe nennt man die unverdaulichen Bestandteile der pflanzlichen Nahrung; sie machen den Stuhl weicher und beschleunigen die Ausscheidung. Ballaststoffreich sind rohes Obst und Gemüse, Nüsse, Samenkerne und Getreideprodukte wie Vollkornbrot, Maismehl, ganze und geschrotete Weizenkörner, Gerste, wilder und brauner Reis und Weizenkleie, die besonders viele Ballaststoffe enthält.

Um den Ballaststoffgehalt der Nahrung zu erhöhen, sollte Ihr tägliches Menü folgende Nahrungsmittel enthalten:

  • eine Portion Obst (mit Schale) oder Gemüse, roh, getrocknet oder gekocht;
  • eine halbe bis eine Portion Vollkornweizen- oder Vollkornroggenbrot oder Fruchtsaft;
  • ein Esslöffel Kleie, Kleieflocken, Weizenschrot, Nüsse oder Samenkerne. Rohe Kleie können Sie mit Flocken, Apfelmus, Suppe oder Joghurt mischen oder beim Kochen oder Backen ins Mehl mischen.

Wenn Sie Kleie und andere ballaststoffreiche Nahrungsmittel plötzlich zu sich nehmen, können Blähungen und Durchfall die Folge sein. Das lässt sich lindern oder verhindern, wenn Sie solche Speisen allmählich und in kleinen Mengen in Ihren Speiseplan aufnehmen.

Den Darm „programmieren“

Da der Mastdarm bei MS unempfindlicher sein kann, spürt der Betroffene möglicherweise nicht, wann er den Darm entleeren sollte. Der Stuhl bleibt im Mastdarm, verhärtet sich und verstopft den Darm. Obwohl dieser Faktor und andere manchmal zu einer schweren Verstopfung führen, kann der Betroffene sie in den Griff bekommen, wenn er den Darm „programmiert“, d.h. regelmässig isst, genügend trinkt und bei Bedarf Medikamente nimmt. Der erste Schritt ist die Wahl eines möglichst günstigen Zeitpunktes für den Stuhlgang. Er kann vom Beruf, von familiären Verpflichtungen und anderen täglichen Aktivitäten abhängen; aber es ist am besten, wenn Sie sich kurz nach einer Mahlzeit zur Toilette begeben, weil der Darm dann normalerweise am aktivsten ist. Es ist wichtig, dass Sie sich jeden Tag an diesen Plan halten, ob Sie einen Stuhldrang spüren oder nicht. Eine Tasse Kaffee, Tee oder warmes Wasser erleichtert häufig die Darmentleerung. Halten Sie den Plan strikt ein, auch wenn der Erfolg anfangs gering ist!

Medikamente

Verstopfung kann bspw. an einem Mangel an Ballaststoffen, hartem Stuhl oder Problemen beim Ausscheiden liegen. Oft helfen Ernährungsumstellung, höhere Flüssigkeitszufuhr und Toilettentraining.

  • Quellmittel: Wenn die Nahrung und damit auch der Stuhl zu wenige Ballaststoffe enthalten, können aufquellende Füllstoffe helfen. Man nimmt sie mit einem oder zwei Gläsern Flüssigkeit, um den Darm zu dehnen, so dass der Stuhl ihn besser passieren kann. In der Regel wird der Darm dann innerhalb von 12 bis 24 Stunden entleert; in manchem Fällen kann es jedoch bis zu drei Tage dauern. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, sollte man die Quellmittel täglich zu sich nehmen.
  • Stuhlerweicher: Erweicher können Wasser aus dem Körpergewebe in den Darm ziehen, so dass der Stuhl leichter ausgeschieden werden kann. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, ist regelmässige Anwendung ratsam.
  • Abführmittel zum Einnehmen
  • Zäpfchen oder Einläufe

Alle Medikamente, auch frei verkäufliche, sollten nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Durchfall kommt bei MS-Betroffenen seltener vor als Vorstopfung. Er kann aber zu einem ernsten Problem werden, wenn er zur Inkontinenz führt.

Diese Art von Durchfall wird mit Medikamenten behandelt, die Wasser absorbieren und den Stuhl dadurch fester machen. In extremen Fällen werden Medikamente verordnet, welche die Darmmuskeln hemmen.

Aber Achtung: Wenn ein MS-Betroffener Durchfall hat, ist die Krankheit meist nicht die Ursache!