Umgang mit Koordinationsstörungen

Unter Tremor („Zittern“) versteht man das rhythmische, unwillkürliche Muskelzucken der Gliedmassen, manchmal auch des Kopfes. Der Tremor geht oft mit Gleichgewichtsstörungen einher. Wie alle anderen MS-Symptome kann der Tremor kommen und gehen. Er gehört zu jenen Symptomen, die am schwersten zu behandeln sind. Es gibt viele Arten von Tremor. Bei manchen sind die Zitterbewegungen stark, bei anderen kaum wahrnehmbar. Einige treten im Ruhezustand auf, andere nur bei bewussten Bewegungen. Manche sind schnell, andere langsam. Neben Armen und Beinen können auch der Kopf, der Rumpf oder die Sprache betroffen sein. Manche sind behandelbar, andere nicht. Wie immer ist eine korrekte Diagnose notwendig, bevor man über eine Therapie entscheiden kann.

Das Gleichgewicht ist notwendig, damit wir uns koordiniert bewegen können, ob wir nun stehen, sitzen oder liegen. Das wichtigste Gleichgewichtszentrum ist das Kleinhirn, aber auch die Augen, das Innenohr sowie die Nerven der Arme und Beine leisten ihren Beitrag. Jede Störung in einem dieser Bereiche kann das Gleichgewicht beeinträchtigen. Manchmal kann ein Bereich Störungen in anderen Bereichen ausgleichen. Es gibt keine Medikamente, die das Gleichgewicht verbessern, wohl aber Übungen, die das Gleichgewicht und die Koordination verbessern.

Überblick über die Therapiemöglichkeiten

  • Gleichgewichts- und Koordinationsübungen
  • Patterning
  • Vestibuläre Stimulation
  • Medizinball
  • Computergesteuerte Gleichgewichtsstimulation
  • Mechanische Hilfsmittel
  • Immobilisation
  • Beschweren mit Gewichten
  • Stabilisierung mit Orthesen


Patterning

Beschäftigungs- und Physiotherapeuten wenden eine Methode an, die man im Englischen Patterning (Bewegungsmuster bilden) nennt und die Betroffenen hilft, grundlegende Bewegungsmuster nachzuvollziehen und zu wiederholen. Dem liegt die Theorie zugrunde, das man bestimmte Muskeln zu koordinierten Bewegungen veranlassen kann, wenn man den Nervenkreislauf, der daran beteiligt ist, wiederholt benutzt. Therapeuten unterstützen den Betroffenen so lange bei diesen Bewegungen, bis sie automatisch ablaufen. Dann wiederholt dieser das Bewegungsmuster allein, wobei der Therapeut gelegentlich leichten Widerstand leistet. Allmählich werden die Muskeln ausdauernder, wenn sie diese erlernten Bewegungen ausführen, und der Betroffene ist wieder im Stande, die Bewegungsmuster im Alltag zu nutzen.

Vestibuläre Stimulation

Bei der vestibulären Stimulation werden die Reize verstärkt, welche das Gleichgewichtszentrum im Hirnstamm empfängt, so dass das Gehirn wieder besser arbeiten kann. Die Übungen fördern den Gleichgewichtssinn durch Schaukeln, Schwingen oder Drehen. Dabei sitzt man auf einem Wasserball oder schwingt in einer Hängematte.

Medizinball

Dieser grosse Ball eignet sich als Teil eines Übungsprogramms, das viele verschiedene Gleichgewichtszentren im Körper anregt.

Computergesteuerte Gleichgewichtsstimulation

Wenn Sie stehen können, kann eine computergesteuerte Gleichgewichtsstimulation mit einer Maschine namens Balance Master (Gleichgewichtsmeister) hilfreich sein. Sie stellen sich auf eine Plattform, die über einen Computer mit einem Videobildschirm verbunden ist. Fussbewegungen beeinflussen den Monitor ähnlich wie ein Videospiel, und dadurch können Sie lernen, das Gleichgewicht besser zu bewahren.